Stürze im Alter sind häufig, lassen sich aber mit einfachen Anpassungen meist vermeiden. Ob Stolperfallen im Flur, rutschige Teppiche oder falsches Schuhwerk: So machen Sie Ihr Zuhause sturzsicher und bleiben mit gezielten Bewegungstipps bis ins hohe Alter mobil und standfest.

Warum es sich lohnt, Stürzen vorzubeugen

Stürze sind der häufigste Unfallgrund im Alter. Ein einziger Sturz kann einen Oberschenkelhalsbruch bedeuten. Dann folgen Krankenhaus, Operation und eine lange Zeit des Wiederaufrichtens. Deshalb gilt: Jeder verhinderte Sturz ist ein Gewinn an Freiheit und Unabhängigkeit.

Es gibt aber noch einen zweiten Grund, den viele unterschätzen. Nach einem Sturz entsteht oft Angst vor dem nächsten. Viele bewegen sich dann weniger. Und genau das macht die Beine schwächer und das Gleichgewicht unsicherer. Das Risiko steigt, statt zu sinken. Diesen Kreislauf können Sie durchbrechen: Wer aktiv bleibt und seine Umgebung sicher macht, behält Vertrauen in die eigenen Beine.

Gut zu wissen

Sturz vorbeugen heißt nicht, sich zu schonen. Es heißt: klug bewegen statt gar nicht bewegen. Schon kleine Veränderungen senken das Risiko spürbar: ein Nachtlicht, festes Schuhwerk, zehn Minuten Übung am Tag.

Die größten Sturzfallen zu Hause und die Gegenmaßnahmen

Gehen Sie einmal langsam durch Ihre Wohnung und schauen Sie mit frischem Blick. Die meisten Gefahren liegen direkt vor den Füßen. Wer einmal genauer hinschaut, findet sie schnell.

Typische Sturzfallen in der Wohnung und was dagegen hilft
SturzfalleWas Sie dagegen tun können
Lose Teppichkanten und Kabel Teppiche und Läufer mit rutschfester Unterlage oder Klebeband fixieren. Kleine Läufer lieber ganz entfernen. Kabel hinter Möbeln oder entlang der Wand führen, nie quer durch den Weg.
Schlechte Beleuchtung Für helles, gleichmäßiges Licht sorgen. Lichtschalter gehören neben die Tür und ans Bett. Nachtlichter oder Bewegungsmelder im Flur und im Bad helfen in der dunklen Jahreszeit.
Hohe Badewanne und nasse Fliesen Haltegriffe an der Wand, eine Antirutschmatte in und vor der Wanne und ein Duschhocker machen das Bad deutlich sicherer. Nasse Fliesen sofort abtrocknen.
Hausschuhe ohne Halt Auch in der Wohnung festes Schuhwerk tragen: geschlossene Ferse, fester Sitz, rutschfeste Sohle. Auf Socken rutscht man auf glatten Böden leicht aus.
Nachtgänge ohne Licht Den Weg zur Toilette frei räumen und ein Nachtlicht anschalten. Brille und Hörgeräte griffbereit auf den Nachttisch legen. Nach dem Aufwachen erst kurz auf der Bettkante sitzen bleiben, bis der Kreislauf mitmacht.
Katzen und Hunde unter den Füßen Ein kleines Glöckchen am Halsband verrät, wo das Tier gerade ist. Vor dem Aufstehen kurz innehalten und schauen. Der Futternapf sollte nicht im Durchgang stehen.

Der Teppich, über den meine Mutter gestolpert ist, liegt heute übrigens auf dem Dachboden. Sie hat sich eine Woche lang beschwert, dass das Wohnzimmer jetzt kahl aussieht. Aber gestolpert ist sie seitdem nicht mehr.

Der Körper: Medikamente, Augen und Kraft

Stürze haben selten nur eine Ursache. Meist kommen mehrere kleine Dinge zusammen. Vier Punkte können Sie direkt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin angehen:

  • Medikamentencheck beim Hausarzt. Manche Blutdrucksenker, Schlaf- und Beruhigungsmittel machen müde oder schwindelig. Nehmen Sie Ihren Medikamentenplan mit zum nächsten Termin und lassen Sie alles durchsehen. Wichtig ist: Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Gemeinsam findet sich oft eine besser verträgliche Lösung.
  • Regelmäßig die Augen prüfen. Ein Sehtest alle ein bis zwei Jahre gehört dazu. Vorsicht mit der Gleitsichtbrille auf Treppen: Sie verzerrt den Blick auf die Stufen. Zum Treppensteigen ist es sicherer, sie abzusetzen.
  • Vitamin D und Knochen. Vitamin D stärkt Muskeln und Knochen. Lassen Sie Ihren Wert beim Arzt prüfen, bevor Sie etwas einnehmen.
  • Ausreichend trinken. Etwa 1,5 Liter am Tag. Wer zu wenig trinkt, dem wird leicht schwindelig. Besonders im Sommer und beim Aufstehen.

Und eine einfache Gewohnheit für jeden Morgen: Langsam aufstehen. Erst im Bett die Füße kreisen lassen, dann aufsetzen, kurz warten. Erst dann aufstehen. So hat der Kreislauf Zeit, mitzukommen.

Drei einfache Übungen für jeden Tag

Kraft in den Beinen und ein sicheres Gleichgewicht sind der beste Sturzschutz. Diese drei Übungen brauchen keine Geräte und keine Matte. Nur fünf Minuten am Tag, zum Beispiel an der Küchenzeile oder neben einem stabilen Stuhl. Sie bilden den Kern vieler Kurse, auch hier in Offenbach.

  1. Einbeinstand an der Küchenzeile

    Stellen Sie sich aufrecht an die Küchenarbeitsplatte und legen Sie beide Hände darauf. Heben Sie ein Bein langsam an und halten Sie es etwa 10 Sekunden in der Luft. Dann die Seite wechseln. Fünfmal pro Seite genügen. Wird es leicht, halten Sie sich nur noch mit einem Finger fest.

  2. Vom Sitzen zum Stehen ohne Hände

    Setzen Sie sich auf einen stabilen Stuhl ohne Armlehnen, die Füße hüftbreit auf dem Boden. Verschränken Sie die Arme vor der Brust. Stehen Sie langsam auf und setzen Sie sich langsam wieder hin, ohne sich mit den Händen abzustützen. Fünf- bis zehnmal wiederholen. Das stärkt genau die Beinmuskeln, die Sie beim Aufstehen von Stuhl, Bett und Toilette brauchen.

  3. Zehen-Fersen-Stand

    Stellen Sie sich seitlich an eine Wand oder einen stabilen Stuhl und halten Sie sich fest. Setzen Sie einen Fuß direkt vor den anderen, die Ferse berührt die Zehenspitzen. Halten Sie den Stand 10 bis 20 Sekunden, dann die Füße wechseln. Das schult das Gleichgewicht im Stehen.

Sicherheit geht vor

Klären Sie ein neues Übungsprogramm zuerst mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ab. Besonders bei Herzerkrankungen, starkem Schwindel oder nach einer Operation. Üben Sie in festem Schuhwerk oder barfuß, nicht auf Socken. Halten Sie immer etwas Festes in Griffweite. Bei Schmerzen oder Schwindel hören Sie sofort auf.

Kurse in Offenbach am Main

Im Kurs bleibt man dran. Und es macht gemeinsam mehr Freude. Diese Angebote hier in Offenbach am Main trainieren Kraft und Gleichgewicht:

Kurse für Gleichgewicht und Kraft in Offenbach am Main
AngebotWas es bringtZeit und Kontakt
ATP im Else-Herrmann-Saal: Alltags-Trainings-Programm Das ATP nutzt alltägliche Gegenstände und Situationen zum Üben, zum Beispiel Treppensteigen oder das Aufstehen vom Stuhl. Drinnen und draußen. Kostenlos. Mittwochs 9:30 bis 10:30 Uhr, Goerdelerstraße 1 (Tempelsee)
Anmeldung: Tel. 069 8500357-0
Bewegungsparcours am Emil-Renk-Haus Sechs Fitnessgeräte an der frischen Luft, drei davon eigens für ältere Menschen gestaltet. Angeleitetes Training für Kraft und Gleichgewicht. Kostenlos, ohne Anmeldung. Donnerstags 14:30 bis 15:30 Uhr, Mai bis Oktober
Park hinter dem Emil-Renk-Haus, Gersprenzweg 24 (Tempelsee)
Rollator-Fit der Seniorenhilfe Offenbach Sicheres Bewegen mit dem Rollator: Hindernisse überwinden, Balance und Beinkraft üben. Für alle, die mit dem Rollator unterwegs sind. Donnerstags im Foyer der Seniorenhilfe, Lämmerspieler Weg 43 (Offenbach-Ost)
Zeiten und Anmeldung: Tel. 069 87876334
TGO Turngesellschaft Offenbach 1885 Senioren-Gymnastik montags, Gesundheits-Gymnastik dienstags und eine Trimmgruppe für Ältere donnerstags. Training in der vereinseigenen Turnhalle an der Rosenhöhe. Vereinshalle, Sprendlinger Landstraße 1, 63069 Offenbach
Uhrzeiten bitte erfragen: Tel. 069 8444954, tgoffenbach.de
DJK Blau-Weiß Bieber: Turnen für Ältere Die eigene Abteilung „Turnen für Ältere" trainiert Beweglichkeit und Kraft. Der Bewegungstreff übt zusätzlich das sichere Gehen in der Gruppe. Bewegungstreff donnerstags 16:00 bis 17:00 Uhr, Leiter Herr Jäger
Siebeneichen 101, 63073 Offenbach
Tel. 069 89906655, info@djk-bw-bieber.de
Sturzprophylaxe zu Hause: Physio Stich Mobiler Physiotherapie-Dienst mit Hausbesuch. Das Training findet dort statt, wo Stürze passieren, zum Beispiel im Flur oder im Bad. Schwerpunkt Sturzprophylaxe. Rechnet mit Privatversicherten und Selbstzahlern ab. Tel. 069 34877072
physiostich.de

Üben zu Hause: die Bewegungspackung

Falls Sie lieber in den eigenen vier Wänden üben: Die Stadt Offenbach hat im Rahmen des ATP-Programms die Bewegungspackung verteilt, eine Box mit 25 leicht verständlichen Übungen für das Wohnzimmer. Es genügen Alltagsgegenstände, Geräte sind nicht nötig. Fragen Sie beim ATP-Kurs im Else-Herrmann-Saal nach.

Hilfsmittel, Umbau und Hausnotruf

Kleine Helfer machen viel aus: Haltegriffe an Wanne und Toilette, ein Duschhocker, ein erhöhter Toilettensitz, ein zweiter Handlauf an der Treppe. Bei stärkeren Einschränkungen kann auch ein Treppenlift sinnvoll sein. Welche Hilfsmittel zu Ihnen passen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt, einem Pflegedienst oder einem Ergotherapeuten. Der Ergotherapeut schaut sich die Wohnung mit geschultem Blick an. Danach wissen Sie genau, was an welcher Stelle hilft.

Wichtig: Erst Antrag, dann umbauen

Mit einem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse den barrierefreien Umbau der Wohnung mit bis zu 4.180 € pro Maßnahme (§ 40 Abs. 4 SGB XI). Das gilt zum Beispiel für Haltegriffe, den Umbau der Dusche oder einen Treppenlift. Der Antrag muss vor Beginn der Arbeiten bei der Pflegekasse liegen, sonst gibt es kein Geld. Wie Sie einen Pflegegrad beantragen, lesen Sie in unserem Artikel „Pflegegrad beantragen in Offenbach am Main".

Der Hausnotruf ist Ihr Sicherheitsnetz. Per Knopfdruck am Handgelenk oder am Hals erreichen Sie Tag und Nacht Hilfe. Gerade wenn Sie allein leben, gibt das Ihnen und Ihren Angehörigen Ruhe. Bei einem Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse den Hausnotruf mit 25,50 Euro pro Monat. In der Regel deckt das Anschluss- und Grundgebühr. Anbieter in Offenbach:

  • ASB und DRK: Menüservice und Hausnotruf, Tel. 0800 1921200, kostenfrei
  • Hausnotruf-Beratung: ASB Regionalverband Offenbach, Tel. 069 985444-0

Wenn doch ein Sturz passiert

Trotz aller Vorsorge kann es passieren. Dann hilft ein klarer Kopf:

  • Ruhe bewahren. Bleiben Sie zuerst liegen und atmen Sie tief durch. Erspüren Sie in Ruhe, ob etwas weh tut, bevor Sie sich bewegen.
  • Nicht mit Gewalt hochziehen lassen. Weder Sie selbst noch Helfer sollten Sie ruckartig hochreißen. Erst muss klar sein, dass nichts verletzt ist.
  • 112 rufen, wenn Sie starke Schmerzen haben, einen Bruch vermuten, sich am Kopf gestoßen haben oder blutverdünnende Medikamente nehmen.
  • Hilfe griffbereit tragen. Hausnotruf-Knopf oder Handy gehören an den Körper, nicht auf den Tisch in der anderen Ecke der Wohnung.
  • Das Aufstehen üben. Fragen Sie Ihre Physiotherapeutin oder Ihren Physiotherapeuten, wie Sie nach einem Sturz allein wieder hochkommen. Zum Beispiel über einen stabilen Stuhl. Geübt haben ist besser als hoffen.

Nach jedem Sturz gilt

Lassen Sie die Ursache beim Hausarzt abklären, auch wenn nichts passiert ist. Hinter einem Sturz steckt oft etwas Behandelbares: ein zu niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen oder ein Medikament, das schwindelig macht. Wer die Ursache kennt, kann den nächsten Sturz verhindern.

Quellen

Veröffentlicht am 24. April 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte prüfen Sie Details direkt bei der genannten Stelle.

Quellenverzeichnis

  1. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.bzga.de
  2. Stadt Offenbach am Main: Broschüre „Bewegt älter werden in Offenbach"
  3. Stadt Offenbach am Main: Übersicht Bewegungsangebote
  4. Turngesellschaft Offenbach 1885: tgoffenbach.de
  5. DJK Blau-Weiß Bieber: www.djk-bw-bieber.de
  6. Seniorenhilfe Offenbach e.V.: www.seniorenhilfe-offenbach.com
  7. Physio Stich: Physiotherapie zu Hause
  8. ASB Regionalverband Offenbach: www.asb-mittelhessen.de
  9. Sozialgesetzbuch Elftes Buch (SGB XI): § 40: Wohnumfeldverbesserung

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